Ghosttown Manheim

Man muß nicht in die USA reisen, um irgendwelche verlassenen Geisterstädte zu besuchen. Wer im Rheinland wohnt, hat schon eine gewisse Auswahl westlich von Köln. Die RWE sorgt seit Jahrzehnten dafür, daß die riesigen Garzweiler Abbaugebiete nach Bedarf ein Dorf nach dem anderen plattmachen dürfen. Aktueller Sinn oder Unsinn des Braunkohleabbaus wird hier nicht diskutiert. Ich habe nach 2 Jahren wieder das bedrohte Kerpen-Manheim besucht. Der Ort mit der Schumi-Kartbahn hatte bis zum Exitus-Verkündigungstermin 2012 ca. 1600 Einwohner. Dann begann die Flucht raus aus dem sterbenden Dorf bis am 1.1.2017 noch 350 Menschen dort wohnten. Jetzt fast 2 Jahre später ist es so gut wie ausgestorben. Was hat das mit Cruising zu tun – im klassischen Sinn eigendlich wenig. Wer aber eine Antenne für verlassene menschliche Siedlungen hat, und so klein ist Manheim nicht, könnte fasziniert sein vom teils morbiden „Charme“ der Bausubstanz links und rechts der Dorfstraßen. Im Schritttempo kann man die Wege abfahren und nur noch den Kopf schütteln, was es heißt, auf diesem Wege mit Braunkohle Energie zu gewinnen.

Eine der Hauptstraßen Manheims

Ausgewohnt !

Die Natur holt sich die Häuser jedes Jahr ein Stück mehr

Ein Vanner als einer der letzten Manheimaner

Dieses Haus sollte wohl aus möglicher Verzweiflung des Eigentümers abgefackelt werden

Im Auto fühlt man sich ja noch sicher, als alleiniger Fußgänger umgibt man sich mit einem unwohligen Gefühl der unsichtbaren Gefahren hinter dem nächsten Haus. Einige Gebäude sind mit Holz verrammelt, Rolläden herabgelassen, Gärten sind frei zugänglich. Richtig interessant wird es bei Nacht mit den wenig verbliebenen Lichtern und wenn es dann noch regnet könnte es passieren, daß einem Freddy Krueger oder John Ryder auf der Esperantostrasse ins Abblendlicht läuft und der Horror vollendet wird. 

Auch dieses Fachwerkhaus hat keine Chance wenn die Politik und RWE nicht bald ihre Entscheidungen aus früheren Zeiten rückgängig machen. Anderenfalls dürfte es bis zur Deadline  2022 zu Plünderungen der Fenster, Türen und Dächern kommen. Das hatten wir schon mal im inzwischen eliminierten Etzweiler etwas nördlich der A 4.