Ausgetankt

Die Geschichte der Tankstellen begann Ende des 19. /Anfang 20. Jahrhunderts mit Beginn des Siegeszuges des Automobils. Mit den Großtankstellen von heute hatte das damals allerdings nichts zu tun. Benzin gab es zunächst in Drogerien und den sogenannten Kolonialwarenhändlern in kleinen Mengen. Ca. 1915 gab es im Kaiserreich 55.000 PKW. Getankt wurde an Zapfanlagen vor Geschäften und Werkstätten zunächst per Handpumpe.

Unrentable Tankstellen aus den 1950 /1960er Jahren 

Im Jahr 1922 baute OLEX, später Deutsche BP,  die ersten Mini-Tankhäuschen mit maschineller Benzinförderung. 4 Jahre später verschwanden die Häusschen wieder. Inzwischen hatte die Konkurrenz DAPG, später Standard Oil, dann Esso sowie ARAL richtige Tankstellen errichtet, also neben den Straßen, allerdings  noch ohne Überdachung.Wer tankt stand erstmal im Regen.

  Umfunktioniert in ein Cafe

Parallel gab es auch tatsächlich Zapfstellen mit mehreren Pumpen, aber unterschiedlicher Marken… heute undenkbar. Seit 1927 gibt es dann die Version, die noch heute gilt. Gebäude für Tankwart/Kassierer, Kundschaft, Zubehör, anfahrbare Zapfsäulen, Dach und Leuchtwerbung. Um 1939 hatte allein die DAPG (Esso)  knapp 40.000 Zapfstellen,  ARAL rund 10.000 unterschiedlicher Größen. Soviele gab´s nie wieder !

Mal sehen was man in 80 Jahren über Stromzapfstellen berichtet…

Parkwächterhäuschen

Zu dieser Zeit und mit Beginn der Reichsautobahn entwickelte sich eine eigene Tankinfrastruktur ohne den  „amerikanischen“ Flachdächern, sondern deutsch gestylte Tankhäuser im Heimatschutzstil. Eines steht noch an der Autobahn 2 unter Denkmalschutz, die Rastanlage Rhynern. (Seit dieser Zeit gibt es auch den „Führerschein“, hat mal jemand gesagt) 

Klassisch wiederbelebt

Mit Beginn des 2. Weltkrieges wurde alles anders, aber das ist eine andere Geschichte. Danach waren fast die Hälfte aller Tankstellen zerstört. 1951 ging es dann aber stetig aufwärts, die Mineralölkonzerne rüsteten wieder auf. 1960 fuhren immerhin 3,7 Millionen Kfz. über deutsche Straßen. Der amerikanische Einfluß aufs Tankstellen-Design setzte sich wieder mehr und mehr auch mit gewagten und ausgefallenen Dächern durch,  z.B.  Shell in Köln-Deutz.

Diese Shell-Tankstelle aus den 50/60ern stand in den 80er Jahren leer, bekam den Denkmalschutz, wurde wieder restauriert und großzügig mit modernen Glasdächern vermurkst

Neonbeleuchtung in Städten war und ist heute wieder angesagt. Auf dem Land hingegen blieb es meist bei 2 Zapfsäulen unter einem Blechdach, Tankwarthäuschen und etwas Leuchtreklame.

Bayerische Version einer ehem. Land-Tankstelle

Ausgediente Versionen gibt es noch in ganz Deutschland verteilt.  Top restaurierte alte Tankstellen mit jetzt unterschiedlichen Geschäftsmodellen gibt es in einem 2015 erschienen Bildband von Joachim Gries zu sehen, der Titel  „Abgetankt“.   Unbedingt sehenswert.